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Ankern

Ankern, mit Ankerleine und Ankerkette


Was gibt es schöneres, als in einer einsamen Bucht mit schönem Strand zu ankern und den Sonnenuntergang zu genießen? Nicht viel. Viel zu beachten gibt es beim Ankern trotzdem, damit man auch vor Anker an Bord ruhig schlafen kann, selbst wenn Wind und Seegang zunehmen.
Viele Faktoren beeinflussen das Ankern. Der Ankergrund, die Art und Dimension des Ankergeschirrs und die Kräfte, die beim Ankern auf das Boot einwirken, also Windkraft, Strömungen und Wellen.


Was ist "richtig", Ankerkette, Ankerleine oder beides?


In der Praxis ist die beste Lösung eine Kombination aus Ankerkette und elastischem Tauwerk. Dabei ist es nicht erheblich, ob es nun 20 m Kettenvorlauf und 50 m Leine sind, oder 50 m Kette und 15 m Leine.
 

Welche Dimensionierung ist sinnvoll?

Das Ankergeschirr (Anker, Schäkel, Wirbel, Kette und Tauwerk) sollte aufeinander abgestimmt sein. Für die Ankerleine kommen PA/Polyamid-Tauwerk oder PES/Polyester-Tauwerk in Frage, als Squareline oder 3-schäftig gedreht (Arbeitsdehnung > 15%). Für die Dicke der Leinen kann zur Orientierung folgendes dienen:
6 mm Ankerkette - 12 mm Ankerleine PA/PES
8 mm Ankerkette - 16 mm Ankerleine PA/PES
10 mm Ankerkette - 20 mm Ankerleine PA/PES
12 mm Ankerkette - 24 mm Ankerleine PA/PES

Eine 8 mm Ankerkette hat etwa 800 kg Arbeitslast und eine Bruchlast von 3.200 kg. Eine Squareline PES von Liros mit 16 mm Durchmesser hat eine Bruchlast von 4.700 kg, verliert aber durch den Spleiß etwa 20% der Bruchlast, erreicht dann also rechnerisch 3.760 kg Bruchlast. Die nächst kleinere Dicke hätte eine geringere Bruchlast als die Kette. Es macht aber auch keinen Sinn, die Leinen noch stärker zu wählen, weil eine dickere Leine dann bei entsprechender Belastung weniger Elastizität/Arbeitsdehnung bietet (und genau die brauchen wir beim Ankern).


Warum immer Kette mit Ankerleine?

Nur mit Kette zu ankern, hat große Nachteile bei dynamischen Lasten. Also immer dann, wenn es am Ankerplatz Seegang/Schwell hat, oder stärkere Böen einfallen. Dann können die dynamischen Kräfte mehr als viermal so hohe Zuglastspitzen verursachen als die ursprüngliche statische Windkraft. Da ist häufig die maximale Arbeitslast der Kette soweit überschritten, dass sich die Kette irreversibel verformt und die Beschläge Schaden nehmen. Auch kann sich der Zugwinkel des Ankers in den Lastspitzen erhöhen und der Anker den Halt im Meeresboden verlieren.
Nur mit einer Leine zu ankern, hat auch seine Nachteile. Die Leine dämpft zwar durch ihre Elastizität sehr gut die Lastspitzen, aber die Leine ist unter Last immer straff gespannt. Es wird ein Ankermodell benötigt, dass auch mit einem entsprechenden Zugwinkel funktioniert und es muss sehr viel Leine ausgebracht werden, um einen Zugwinkel unter 6° zu erreichen (10:1). Außerdem ist Tauwerk sehr anfällig gegen mechanische Beanspruchung und reißt sehr schnell im Kontakt mit Felsen, Muscheln, Schrott usw.
Prinzipiell funktioniert auch eine Ankerleine mit Reitgewicht, aber uns ist die Gefahr einer Beschädigung der Leine zu groß, um als sichere Lösung zu gelten. Ankerleinen mit Bleieinlagen verkaufen wir auf Wunsch auch, doch irgendwelche Vorteile sehen wir nicht. Besser sind dann 5 oder 10 m Kettenvorlauf und eine richtig dimensionierte Leine.

 

Wie verbindet man die Kette und die Ankerleine?

Eine Squareline ist ein 8-fach Quadratgeflecht und ist sehr gut in eine Ankerkette einzuspleißen. Das ist die beste Lösung, wenn man die Kette fest mit einer Leine verlängern will. Eine andere Lösung ist es, die Ankerkette soweit benötigt auszubringen und dann noch mindestens 15 m Leine mit einem Kettenhaken oder auch mit einem Stopperknoten befestigt anzubringen. An Bord der SY Phoenix haben wir 100 m Ankerkette plus Leine, weil wir z.B. in der Karibik auch mal bei 15 m Wassertiefe ankern wollen. Nun kann man aber in flacheren Gewässern nicht immer 120 m Ankergeschirr ausbringen, da wäre ja der Schwoikreis extrem groß. Also wird nur ein Teil der Kette ausgebracht, z.B. 30 m, dann werden mit einem Schäkel oder Kettenhaken zwei PA-Leinen mit 15 m Länge an der Kette befestigt und auf den Klampen belegt. Jetzt wird weiter soviel Kette gegeben, bis die Leinen Spannung haben und die Kette leicht durchhängt.
 

"3-fache Wassertiefe" ?

Die oft gehörte Faustformel für die auszubringende Kettenlänge "3-fache Wassertiefe" sollte man nicht ernst nehmen. Zunächst einmal wäre richtiger: "Wassertiefe + Freibord x 3", und auch dann reicht diese Länge des Ankergeschirrs nicht aus, um den Zugwinkel am Anker sicher unter 8° zu bringen. Auch bei einem Tiefenverhältnis von 4:1 (Kette/Leine zu Wassertiefe+Freibord) beträgt die Haltekraft des Ankers erst 55% des maximal möglichen Haltevermögens. Und erst bei einem Tiefenverhältnis von 7:1 kann man einen Zugwinkel von 8° erreichen. Spätestens bei schlechteren Wetterbedingungen oder Schwell sollte mehr Kette/Leine ausgebracht werden, um ein Tiefenverhältnis von 7:1 bis 10:1 zu erreichen.

Für einen Badestopp in einer ruhigen Bucht bei Sonnenschein und Crew an Bord kann natürlich 3:1 auch OK sein...


Quellen: Das Thema wird sehr gut und ausführlich beschrieben und erklärt im Buch "Besser ankern", 2004 erschienen im Palstek Verlag, Hamburg (Autoren: Poiraud, Ginsberg-Klemmt, Fraysse). Darauf und auf eigene Erfahrungen beziehen wir uns hier, alle Angaben ohne Gewähr.



(c) Bert Schattschneider, www.segelkoje.de und Jan Schattschneider, www.seileundmeer.de
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